Ein unhöflicher Chef könnte dazu führen, dass Sie härter arbeiten (oder aufgeben möchten)

Ein unhöflicher Chef könnte dazu führen, dass Sie härter arbeiten (oder aufgeben möchten)

Manche Leute lieben es zu fluchen. Am Arbeitsplatz könnten einige dieser Leute das Sagen haben.

Möglicherweise haben Sie selbst mit einem gearbeitet (oder sind einer). Der Teamleiter, der ein Gespräch gerne mit pikanter Sprache belebt, oder der Manager, der Obszönitäten nutzt, um sich so klar wie möglich auszudrücken.

Wie Kollegen auf farbenfrohe Sprache reagieren, ist unterschiedlich. Einige mögen es vielleicht, während es anderen nichts ausmacht. Es kann auch als Zeichen schlechter Führung, unprofessionell und einfach unnötig angesehen werden.

Unsere Forschung legt nahe, dass die Reaktionen der Menschen auf einen fluchtenden Chef nicht nur davon abhängen, was gesagt wird, sondern auch davon, wer zuhört und wo sie leben.

Wir haben herausgefunden, dass es für Führungskräfte keinen einheitlichen „richtigen“ Kommunikationsweg gibt. Aber insgesamt waren die Mitarbeiter weniger zufrieden mit Vorgesetzten, die häufig Schimpfwörter verwendeten.

Wenn Sie sich also fragen, ob es eine gute Managementstrategie ist, Besprechungen mit Schimpfwörtern zu füllen, ist es wahrscheinlich sicherer, sie zu vermeiden.

Doch einige Menschen in unserer Studie mit 5.660 Mitarbeitern in 19 Ländern reagierten genau gegenteilig. Diejenigen, denen eher psychopathische und machiavellistische Persönlichkeitsmerkmale zugeschrieben wurden (d. h. mit einem geringeren Maß an Empathie), berichteten von größerer Zufriedenheit mit ihrem Anführer, je häufiger sie fluchten.

Sowohl Psychopathie als auch Machiavellismus beinhalten ein gewisses Maß an emotionaler Distanzierung und die Bereitschaft, soziale Normen zu ignorieren, einschließlich der Norm, dass Chefs nicht fluchen sollten. Für diese Menschen wirkt ein Chef, der flucht, aufrichtiger und selbstbewusster, ohne unnötige Regeln.

Mitarbeiter mit stärker narzisstischen Zügen (gekennzeichnet durch Anspruchsdenken und das Bedürfnis nach Bewunderung) waren überraschend gleichgültig. Schlechte Worte zu sagen beeindruckte sie nicht besonders und beleidigte sie auch nicht besonders. Ihre Zufriedenheit gegenüber ihren Vorgesetzten änderte sich kaum.

Doch die Persönlichkeit war nur die halbe Wahrheit. Auch das Land, in dem die Menschen lebten, spielte eine Rolle. In Gesellschaften mit höherer Einkommensgleichheit wie Schweden und Österreich waren Persönlichkeitsunterschiede deutlicher sichtbar. Dies bedeutete, dass derselbe Manager, der dieselbe Art von Obszönitäten benutzte, von einem Mitarbeiter als zugänglich und von einem anderen als unprofessionell angesehen werden konnte.

In Ländern mit geringerer Gleichheit, wie Südafrika und Mexiko, sind diese Persönlichkeitsunterschiede jedoch nahezu verschwunden. Unabhängig von ihren individuellen Eigenschaften reagierten Mitarbeiter im Allgemeinen negativ auf schlechte Worte von Führungskräften.

Fluchen ist fürsorglich

Warum könnte das so sein? Untersuchungen zur wirtschaftlichen Ungleichheit legen nahe, dass Menschen in Gesellschaften mit größerer Ungleichheit stärker auf Status und Rang achten. Hierarchien am Arbeitsplatz haben mehr Gewicht, sodass die schlechten Worte einer Führungskraft weniger wahrscheinlich als Freundlichkeit oder Authentizität interpretiert werden, sondern eher als Ausdruck von Dominanz. An diesen Orten scheint der soziale Kontext die individuellen Persönlichkeitsunterschiede außer Kraft zu setzen.

Hryshchyshen Serhii/Shutterstock

Die praktische Botschaft für Führungskräfte ist überraschend einfach. Bei der Kommunikation geht es nie nur um die Worte, die wir wählen. Derselbe Satz kann einen Mitarbeiter inspirieren, einen anderen beleidigen und einen dritten völlig ungerührt zurücklassen.

Dies erklärt auch, warum Führungsratschläge oft widersprüchlich klingen. Ein Experte ermutigt Führungskräfte, „authentisch zu sein“. Ein anderer empfiehlt, stets auf Professionalität zu achten. In der Realität kann beides richtig sein, aber das hängt von den beteiligten Personen und dem kulturellen Umfeld ab.

Sollten Führungskräfte also ganz aufhören zu fluchen? Nicht unbedingt. Aber sie sollten erkennen, dass es bei effektiver Führung nicht darum geht, einen Kommunikationsstil zu finden, der für alle funktioniert.

Es geht darum, Ihr Publikum zu verstehen. Es ist genauso wichtig, Ihr Team zu kennen wie die richtigen (oder falschen) Worte zu wählen.

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