Umfrageübersicht
„Es ist besorgniserregend, dass hohe Energiekosten nicht nur den laufenden Geschäftsbetrieb belasten, sondern auch künftige Investitionen behindern“, sagte Peter Adrian, Präsident des DIHK.
Auswirkungen auf Investitionen
Knapp 20 % gaben an, dass sie planen, die Produktion in Deutschland zu reduzieren oder die Produktion ins Ausland zu verlagern, oder solche Maßnahmen bereits ergriffen haben.
Energiewende-Barometer
Im Jahr 2026 fiel das Energiewendebarometer, das die Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit misst, auf -11,5, ein Rückgang um drei Punkte gegenüber dem Vorjahr und der erste derartige Rückgang seit 2023. Der Index reicht von -100 (extrem negativ) bis +100 (extrem positiv).
Diese Ergebnisse verdeutlichen eine zunehmende Herausforderung für den deutschen Industriesektor, der in der Vergangenheit auf erschwingliche Energie angewiesen war. Die Kombination aus geopolitischen Schocks und dem inländischen Vorstoß hin zu erneuerbaren Energien hat ein besonders schwieriges Umfeld für Hersteller geschaffen. Wenn sich der Trend verstärkt, dass Unternehmen über Kapazitätskürzungen oder Standortverlagerungen nachdenken, könnte dies mit der Zeit zu einer Erosion der industriellen Basis des Landes führen. Der Rückgang des Barometers, der erste seit drei Jahren, deutet darauf hin, dass Unternehmen die Energiewende als zunehmenden Wettbewerbsnachteil betrachten, auch wenn sie ihre langfristigen Ziele unterstützen.
Ursachen und Forderungen der Branche
Die Energiekosten in Deutschland sind in letzter Zeit aus mehreren Gründen in die Höhe geschossen: Erdgasknappheit aufgrund der russischen Invasion in der Ukraine, höhere Ölkosten im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen den USA und Israel gegen den Iran und die Umstellung des Landes auf erneuerbare Energien.
Der Wirtschaftsverband forderte eine Senkung der Energiesteuern, transparentere Regeln für die Gebäudeinfrastruktur und einen deutlichen Abbau der Bürokratie.
„Unternehmen unterstützen das Ziel der Klimaneutralität“, sagte Adrian. „Gleichzeitig sind sie mit Energiekosten konfrontiert, die im internationalen Wettbewerb zunehmend zum Nachteil werden.“
Die jährlich durchgeführte DIHK-Umfrage liefert ein einheitliches Maß für die Stimmung der Unternehmen in Bezug auf die Energiewende. Die neuesten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Kombination aus hohen Energiepreisen und regulatorischen Belastungen eine erhebliche Anzahl von Unternehmen dazu veranlasst, ihre Investitionspläne in Deutschland zu überdenken, ein Trend, der langfristige Folgen für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit des Landes haben könnte.
Umfassendere Implikationen
Der DIHK führt jährlich die Umfrage „Energiewendebarometer“ unter seinen Mitgliedsunternehmen in den Bereichen verarbeitendes Gewerbe, Dienstleistung und Handel durch. Die jüngsten Ergebnisse spiegeln die wachsende Sorge der Wirtschaftsführer über die langfristige Zukunftsfähigkeit Deutschlands als Produktionsstandort wider, insbesondere für energieintensive Industrien wie die Chemie- und Metallindustrie. Die Umfrage zeigt auch, dass die meisten Unternehmen zwar Klimaziele unterstützen, das Tempo und die Kosten des Übergangs jedoch Anlass zur Sorge hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit geben.
Der deutsche Industriesektor, der seit langem auf stabile und erschwingliche Energie angewiesen ist, steht nun vor einer kritischen Wende. Die Kombination aus dem Ukraine-Konflikt, dem amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran und dem heimischen Vorstoß für erneuerbare Energien hat einen perfekten Sturm geschaffen. Der erste Rückgang des DIHK-Barometers seit 2023 unterstreicht die Dringlichkeit, da Unternehmen die Machbarkeit einer Fortführung der Produktion in Deutschland gegen die Attraktivität kostengünstigerer Standorte im Ausland abwägen.