Allerdings wird beispielsweise im Kapitel „Einwanderung und Rückwanderung“ des AfD-Regierungsprogramms für Mecklenburg-Vorpommern deutlich gemacht, dass Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund nicht willkommen sind.
Die AfD will die „deutsch geprägte Gesellschaft“ vor einer „multikulturellen Gesellschaft“ schützen. Integrationspolitik wird in „Migrationspolitik“ umdefiniert.
Wer Flüchtlingen hilft, wird in diesem Programm als Problem beschrieben. Die AfD fordert außerdem die Aufkündigung des Rundfunkstaatsvertrages und die Umstrukturierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu einem „Grundrundfunkdienst“.
Was den Islam betrifft, hatte die AfD bereits am Vorabend der Bundestagswahl 2025 eine radikale Neuausrichtung der Bildungspolitik angekündigt.
Die Partei wollte den islamischen Religionsunterricht abschaffen, Lehrstühle für islamische Theologie an den Universitäten streichen und sie durch eine Disziplin der „überkonfessionellen Islamwissenschaft“ ersetzen.
Statt Integration sieht das Regierungsprogramm Mecklenburg-Vorpommern „Vorbereitungsklassen“ für Kinder mit Sprachschwierigkeiten vor.
Doch die AfD gefährdet nicht nur die Religionsfreiheit, die Medien und die Bildung. Darüber hinaus stellt die Partei eine ernsthafte Bedrohung für die innere und äußere Sicherheit sowie das Justizsystem dar.
Mehrere Innenminister, darunter Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Außenminister Johann Wadephul, warnten kürzlich vor den Folgen einer AfD-Regierung.
Thüringens Innenminister Georg Maier sagte: „Wir können nicht zulassen, dass geheime Informationen unserer Sicherheitsbehörden nach Russland oder in rechtsextreme Kreise gelangen.“
Die AfD habe „zahlreiche Kontakte zu autoritären Staaten“ und sei „mit rechtsextremen Frontorganisationen vernetzt“.
Auch Brandenburgs Innenminister Jan Redmann erklärte: „Wenn eine teils rechtsextreme Partei Zugang zu sicherheitsrelevanten Informationen erhält, gefährdet das unsere Sicherheit. Das ist kein hypothetisches Szenario, sondern eine reale Gefahr.“
Aber Vorsicht, AfD-Wähler sind keine Unbekannten. Sie sind Ihre Nachbarn, Vereins- und Mitarbeiter, Mitglieder Ihrer Familie.
Das bedeutet, dass sich die Mitte der Gesellschaft radikalisiert hat, und genau das ist besorgniserregend.
Die „Firewall“ war nie eine Garantie, sondern eine Selbstverpflichtung demokratischer Parteien, ein Konsens, der nun bröckelt.
Jahrelang behandelten etablierte Parteien Migration, Islam und Integration als Sicherheitsfragen und nicht als gelebte Realität. Das hat die Gesellschaft vergiftet.
Allein im Jahr 2025 dokumentierte die CLAIM Alliance 4.096 antimuslimische Vorfälle, durchschnittlich mehr als elf pro Tag. 75 Prozent der befragten Muslime berichteten von Diskriminierung in Regierungsämtern. Die Deutsche Islamkonferenz war lange Zeit eine Sicherheitskonferenz, ein fataler Fehler. Muslime wurden oft weniger als Teil der Gesellschaft, sondern eher als Problem wahrgenommen.
Was kann die AfD eigentlich umsetzen?
Viele Forderungen der AfD liegen außerhalb der Zuständigkeit eines Bundeslandes. Die Abschaffung des Asylrechts oder die Änderung des Staatsangehörigkeitsrechts sind Bundesangelegenheiten.
Allerdings könnte die AfD den Bundesrat nutzen, um Gesetze zu initiieren und auf Landesebene in Bildungs-, Polizei- und Verwaltungsangelegenheiten einzugreifen.
Und wie wäre es mit einem Verbot? Die Hürden sind groß und der Prozess langwierig. Die AfD würde sich als Opfer darstellen. 1960 verbot der rheinland-pfälzische Innenminister August Wolters den Landesverband der DRP.
Das Verbot wurde später aufgehoben, später jedoch wieder in Kraft gesetzt. Auch das NPD-Verbot war ein Fiasko. Daher kann ein Verbot kontraproduktiv sein.
Warum ist die AfD so stark geworden? Die Antwort ist unangenehm, aber sie muss gefragt werden.
Die etablierten Parteien haben es jahrelang nicht geschafft, die Sorgen und Ängste der Bevölkerung ernst genug zu nehmen.
Zu oft wurde Migration als Bedrohung und nicht als gesellschaftliche Realität betrachtet. Vielerorts wurden Muslime als Sicherheitsproblem und nicht als Teil der Gesellschaft behandelt. Dies war ein fruchtbarer Boden für die AfD.
Die Frage ist nun: Wie begegnet ein demokratischer Rechtsstaat dieser neuen Realität?
Die Firewall allein, so wichtig sie auch sein mag, wird die AfD nicht verschwinden lassen. Es wird es nicht einmal wesentlich schwächen.
Der Erfolg der rechten Partei ist Ausdruck einer tiefen gesellschaftlichen und politischen Vertrauenskrise. Viele Menschen haben das Vertrauen in die Politik verloren, weil sie das Gefühl haben, dass ihre Anliegen kein Gehör finden.
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Daher wird die AfD künftig nicht nur Wahlen auf Landesebene gewinnen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er auch auf Bundesebene eine Regierung anführt.
Europäische Beispiele zeigen, dass Rechtspopulisten längst an der Macht sind. Deutschland wird keine Ausnahme bleiben.
Die Politik muss das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen, nicht durch neue Verbote oder Ausgrenzungsrhetorik, sondern durch glaubwürdige Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit.
Eine Demokratie, die ihre Bürger nicht mehr erreicht, verliert nicht nur Vertrauen und Wahlen, sondern auch ihre Legitimität.
Demokratie basiert nicht nur auf Institutionen oder Firewalls.
„Sie wird genährt von einer Ethik der bürgerschaftlichen Verantwortung, von Menschen, die bereit sind, Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen, auch wenn es unbequem ist. (…) Die Geschichte des Widerstands zeigt uns: Menschen sind keine geborenen Helden; sie lernen Verantwortung zu übernehmen, lange bevor Freiheit und Menschenwürde auf dem Spiel stehen. Über die Freiheit von morgen entscheidet sich unser heutiges Handeln.“
Dies erklärte Bundesfamilienministerin Karin Prien am 20. Juli bei der zentralen Gedenkveranstaltung der Bundesregierung zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Ironischerweise geschah dies an derselben Stelle, an der auch die AfD einen Kranz niederlegte.
(Dieser Artikel wurde zuerst auf TRT Deutsch veröffentlicht)