Nach Angaben der OECD ist Deutschland nach einer Rekordzahl an Ausreisen aus Israel im Jahr 2024 das wichtigste europäische Reiseziel für Israelis, die ins Ausland ziehen, wie AzerNEWS berichtet.
Zahlen zeigen, dass im Laufe des Jahres 82.700 Menschen Israel verließen, die höchste jährliche Auswanderungsrate seit Beginn der Aufzeichnungen.
Analysten führen die wachsende Attraktivität Deutschlands zum Teil auf seine Staatsbürgerschaftsgesetze zurück, die es vielen Nachkommen von Holocaust-Überlebenden ermöglichen, durch vereinfachte Verfahren die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten.
Berichten zufolge haben die Anträge berechtigter Israelis auf deutsche Pässe trotz anhaltender Besorgnis über Antisemitismus in Deutschland zugenommen.
Die Statistik ist eindeutig: Nach Angaben des Bundesinnenministeriums wurden im Jahr 2021 insgesamt 2.485 israelische Staatsbürger in Deutschland eingebürgert. Bis 2024 stieg diese Zahl auf 4.275. Darüber hinaus stellte die deutsche Boulevardzeitung Bild fest, dass allein in Berlin im Jahr 2024 202 israelische Staatsbürger die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten werden, was etwa dreimal so viel ist wie noch einige Jahre zuvor.
Zu diesen Zahlen tragen zwei gesetzliche Bestimmungen bei. Nach Artikel 116 Absatz 2 des Grundgesetzes haben Personen, denen in den Jahren 1933 bis 1945 die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen wurde, ein Recht auf Wiedererlangung dieser Staatsangehörigkeit, das auch für ihre Nachkommen gilt.
Seit 2021 gilt auch Artikel 15 des Staatsangehörigkeitsgesetzes. Dieser Abschnitt kommt denjenigen zugute, die nie die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen, weil ihnen der Erwerb dieser als Opfer der NS-Verfolgung zunächst verwehrt blieb. Laut Bundesverwaltungsamt sind diese Ansprüche weder zeitlich begrenzt noch auf bestimmte Generationen beschränkt.
Während die meisten Anträge ursprünglich unter den traditionellen Weg nach Artikel 116 Absatz 2 fielen, hat die neue Bestimmung nach Abschnitt 15 ihn nun übertrumpft. Nach Angaben des Innenministeriums wurden im Jahr 2024 2.185 Fälle nach § 15 bearbeitet.